Sammelsurium aus Mettersdorf
Eine Geschichte aus dem Buch: "Leibspeis und Seelenwärmer" zurück zu den Wurzeln - von Hilde Raggam und Karl Reiter.
Jausenzeit
Mai, Juni und oft auch Juli, waren die Monate, in denen die Ackerzeilen mit Mais, Burgunder (Rübenfutter f.d. Tiere) und Kürbis vom Unkraut befreit wurden.
Früh am Morgen, nach der Stallarbeit ging es, gerüstet mit einer Haue und Stiefeln, zu Fuß los auf das Feld. Auf dem Weg durch das Dorf traf man auf andere und die ersten Neuigkeiten konnten ausgetauscht werden.
Am Feld wandte sich jeder Hauer einer Zeile zu und ließ in leich
t bis tief gebückter Haltung die Haue zwischen den Früchten hin und her sausen, jeder wollte ja derErste am Ackerende sein. Natürlich versuchte jeder den anderen zu erwischen, falls er noch Unkraut hinterließ. Saubere Arbeit war ja gefragt.
Die Jausenzeit wurde meist so um 1/2 10 bis 10 Uhr herbeigesehnt. Eine Person, die am Hof die Hausarbeit über hatte, musste mit dem Jausenkorb die Jause auf das Feld
bringen. Ja, was kam da alles zum Vorschein! Zuerst der wirklich noch kühle Most. Sogar Mineralwasser gab es schon, aber ohne Kohlensäure. Es wurde bei den Abfüllstellen z.B. in Deutsch-Goritz geholt und in den kalten, feuchten Kellern für Tage gelagert. Speck - gut geselcht, trocken und roh, oder gekochtes Geselchtes, Verhackert, Grammeln, Essiggurkerln - falls diese die Einlagerungszeit überstanden hatten, ergaben eine handfeste Jause.
Bei solchen Jausenzeiten saßen die Leute am schön begrünten Ackerrand. Witze wurden erzählt - und wer vom Lachen nicht rauskam, musste eben mit weniger im Magen weiterarbeiten, oder er steckte sich ein Stück Brot in den Schürzensack und kaute so neben der Arbeit weiter.
